Veröffentlicht Reisebericht (http://batulong.wordpress.com)
in8. Mai 2012
Inhalt:
Graduation
Short courses
Hausbesuche-neue Batulong-Kinder
Hauswart
Camiguin
Medizinische Fälle
Lebensversicherung
Gartenprojekt
Enttäuschung
Zeltstadt
Summer camp
Die tägliche Arbeit für Batulong bringt Freude und Frust, Erfolgserlebnisse und für uns Unverständliches, Herausforderungen und immer wieder Neues zum Lernen. Hier sind ein paar Ereignisse und Erzählungen von unserem Calaanan-Aufenthalt im April.
Graduation
Die erste Jahresabschlussfeier der High School können wir leider
nicht besuchen, weil die Flüge von Legaspi nach Manila gestrichen
werden. Als am nächsten Tag immer noch kein Flugzeug von Cebu Pacific
fliegt, buchen wir einen anderen Flug und sind somit wenigstens für die
Feier der 6. Klass-Primarschüler in Calaanan dabei. Diese Kids haben die
ersten 7 Jahre ihrer Grundschul-Ausbildung geschafft und nun folgen
vier weitere, sehr wichtige Jahre. Die meisten Jugendlichen, die die
Schule vorzeitig verlassen, sind in der Oberstufe zu finden. Bei den von
Batulong unterstützten Schülern gehen die Mitarbeiterinnen bei den
ersten Anzeichen von Schule schwänzen der Sache nach und suchen das
Gespräch mit den Eltern (oder für die Kinder Verantwortlichen) und den
Jugendlichen. Bei Schulproblemen können wir eine Nachhilfe organisieren
und es wird versucht, das Kind zu einem Weiterführen der Schule zu
bewegen. Wenn der Schüler nach mehreren Warnungen immer noch nicht
einsichtig ist, wird er von der Unterstützung ausgeschlossen, da
Batulong nur Kinder die Schulkosten zahlt, die regelmässig die Schule
besuchen.
6.Klass-Abschlussfeier. Batulong bekommt eine Auszeichnung für die Hilfe an der Schule Calaanan.
Umso mehr freut es uns, dass wir 24 abschliessenden High School
Schülern gratulieren können. Auf den Philippinen wird das amerikanische
Schulsystem verwendet, das heisst, dass eigentlich jeder Beruf
“studiert” wird. Eine Lehre, wie wir sie kennen, gibt es nicht. Warum
dann Jugendliche erst mit 18 offiziell arbeiten dürfen, ist uns nicht
klar, bedeutet aber für die meisten, dass sie zwei Jahre lang
herumhängen oder erschreckend schlecht bezahlte Jobs haben an Orten, wo
man nicht so genau aufs Alter schaut. Von einem Mädchen, das letztes
Jahr die Oberstufe beendet hat, wissen wir, dass sie für einen Tageslohn
von 1.10 CHF gearbeitet hat. Der Hilfsarbeiter auf der Baustelle erhält
immerhin 4 x mehr.
Abschlussfeier in der High School
Short courses
Aus diesem Grund hat Batulong dieses Jahr begonnen für Schulabgänger
Kurzkurse zu bezahlen. Leider gibt es keine grosse Auswahl dieser 2-3
Monate dauernden Kurse und die einzige Schule, die “front office” (an
einer Rezeption arbeiten) für 6 interessierte Mädchen anbietet, befindet
sich auf der anderen Seite von Cagayan de Oro. Wir entscheiden uns,
ihnen für die drei Monate den Aufenthalt im Boarding house (sie können
dort wohnen und sich ein Zimmer teilen) zu bezahlen, was billiger ist,
als die täglichen Fahrkosten von Calaanan nach Bugo. 7 weitere
Jugendliche werden zwei Monate lang in “Automotive servicing” (wohl ein
Crash Kurs als Mechaniker) ausgebildet, zwei ehemalige Schulabgänger
machen “kommerzielles Kochen”, weil sie schon mal in einem Restaurant
gearbeitet haben, und ein Junge belegt einen Jahreskurs in “Computer
Hardware servicing”. Das Mädchen, das für 50 Pesos im Tag gearbeitet
hat, wird nun auch den Front office Kurs besuchen und wir hoffen, dass
dies ihre Chancen auf einen besseren Job erhöht.
Meetings mit den Kurzkurs-Interessierten
Bei den College-Studenten können dieses Jahr schon drei ihr Studium
abschliessen: ein Marine Ingenieur, der allerdings noch eine praktische
Lehre in Manila absolvieren muss, eine Studentin der Business
Administration und ein Electronic Automotive -Student
(Auto-Elektroniker).
College Studenten
Neue Batulong-Kinder
Wie jedes Mal führen wir in den Sommerferien Hausbesuche bei Familien
durch, die in den letzten Monaten um Unterstützung angefragt haben. Es
ist immer spannend, bei Leuten vorbeizugehen und meist wissen wir schon
nach ein paar Sekunden, ob die Familie das Kriterium “sehr arm” erfüllt.
Das klingt jetzt aber einfacher als es ist, dann wie z.B definiert man
Armut? Es gibt Leute, die in einer schäbigen Hütte ohne Wände leben,
aber einen guten Monatslohn haben, der für Alkohol, Spielen oder Make up
usw. verwendet wird. Soll man Familien, die sich nicht um Verhütung
kümmern und ein Kind nach dem anderen auf die Welt stellen mehr
unterstützen als Familien, die sich Mühe geben, Familienplanung
anzuwenden? Soll man Eltern, die beide zum Lebensunterhalt beitragen
weniger unterstützen als solche, die beide zu faul sind zum Arbeiten?
Ein Fall aus unseren Hausbesuchen: die Frau erzählt uns, dass ihr Mann
seinen Job aufgegeben habe, weil er “nur” 200 Pesos (ein normaler Lohn
für einen Hilfsarbeiter auf einer Baustelle) im Tag verdient habe – er
wolle mehr. Nun ist er seit einiger Zeit arbeitslos. Wir haben ihr
gesagt, dass sie wieder kommen soll, wenn ihr Mann Arbeit habe – dann
werden wir ein Kind von ihnen unterstützen.
Impressionen von den Hausbesuchen: an einigen Orten finden wir
schon etwas “Luxus”: Fernseher, alte Stereoanlage und etwas Inventar.
Meist hat es zwar einen Fernseher (muss aber nicht unbedingt
funktionieren), aber sonst nichts: Kleider und Sonstiges liegen auf
einem Haufen in einer Ecke. Lynnette im Gespräch mit einer 7-fachen
Mutter: die (hoffentlich) letzten zwei waren Zwillinge.
Dies die Behausung eines Ehepaars mit einer Tochter: die übrigen Kinder sind an anderen Orten platziert.
Die 5köpfige Familie lebt in einem winzigen Anbau an ein kleines Haus,so klein, dass wir innen kein Foto machen konnten. Sehr innovativ ist die Seitenverkleidung aus leeren Röntgen-filmen!
Am Anfang unserer Batulong-Arbeit dachten wir, es gehe primär darum,
die vorhandenen finanziellen Mittel weise zu verteilen, aber
mittlerweile realisieren wir, dass ein Grossteil unserer Arbeit darin
besteht, den Kindern und Eltern klar zu machen, dass man etwas tun muss,
um etwas zu bekommen und es aus der Armut zu schaffen.
Es ist uns klar, dass die philippinische Lebensweise immer gemächlicher,
träger, langsamer und bequemer sein wird als unser z.T. gestresstes
Leben in der Schweiz. Die Problematik besteht allerdings darin, dass der
Filipino den selben Lebensstandard möchte wie jemand aus einem
1.Welt-Land, sich aber nicht wie jener engagieren will. Dies ist nun
auch wieder zu allgemein formuliert, denn es gibt viele positive
Ausnahmen: Leute, die viel arbeiten, Gelegenheiten wahrnehmen und sich
einsetzen. Unter unseren Batulongeltern gibt es viele davon und wir sind
nach wie vor sehr froh, dass deshalb das Essens-Ausgabeprojekt so
problemlos läuft.
Wir haben im Moment die Möglichkeit, etwa 50 weitere Kinder zu unterstützen und die Hausbesuche dauern noch an ohne uns.
Hauswart
In den letzten Monaten vor unserer Ankunft auf den Philippinen hat sich die Situation mit dem Hauswart, der mit seiner Familie auf dem Batulong-Gelände wohnt, zusehends verschlechtert. Er hat seine Arbeit immer weniger gemacht, bis er schlussendlich nicht mehr zu sehen war und seine Frau vorübergehend seine Arbeit übernahm. Da sie – eine sehr initiative Frau, die zur Gruppe der fleissigen Filipinos gehört – noch an anderen Orten arbeitet, konnten wir ihr leider nicht den Job des Hauswarts übergeben. Es ist höchstens eine 20% Stelle, weil es ganz einfach nicht mehr Arbeit hat – das Gebäude ist ja neu. Aber dass die Familie durch die Faulheit des Vaters nicht nur ausziehen musste, sondern auch die Ehe der beiden in die Brüche ging, finden wir sehr sehr traurig.
Thata und Lynnette, unsere Batulong-Mitarbeiterinnen, haben aber einen guten Ersatz gefunden: eine Familie mit 4 Kindern, die keinen Ort zum Wohnen hatte und nur vorübergehend bei jemandem unterkam. In diesem Fall ist die Frau die Hauswartin während ihr Ehemann als Mechaniker arbeitet wenn er angestellt wird. Emelita ist sehr fleissig und wir glauben, in ihr die perfekte Hauswartin gefunden zu haben.
Camiguin
Wir verbringen “holy week” (die Tage um Ostern) auf der kleinen Nachbarsinsel Camiguin und entspannen uns mit lesen und etwas tauchen. Nach unserer Rückkehr bekommt Mäge aber plötzlich Fieber (er kann sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal Fieber hatte) und am dritten Tag gehen wir in ein Krankenhaus, wo ihm eine Lungenentzündung diagnostiziert wird. Das Antibiotika wirkt schnell und wir sind froh, dass es nicht Malaria oder Dengue Fieber war.
Medizinische Fälle
Bei unseren Batulong-Kindern sind zwei medizinische Fälle aktuell. Vince muss ein Nachlasern nach seiner Operation des grünen Stars bekommen – hier ist primär die Mutter ein Hindernis, weil sie angeblich nie Zeit hat, die Formulare für die philippinische Krankenkasse auszufüllen. Mäge und ich gehen zusammen mit Lynnette vorbei und dann geht es plötzlich.. am 7. Mai soll Vince nachgelasert werden und wir hoffen, dass die Mutter diesmal kooperiert.
Vince
Lincold
Lincold ist ein 15jähriger Junge, der vor zwei Monaten zusammengebrochen
ist und mehr als 30 Minuten bewusstlos war. Erst im Krankenhaus sei er
wieder aufgewacht. Nach einigen Untersuchungen muss er nun noch ein CT
(Computertomographie) des Gehirns machen lassen, um einen eventuellen
Hirntumor feststellen zu können. Hier unterstützt die Mutter den Sohn
und die Hilfeleistungen von Batulong und innert kürzester Zeit haben wir
den Scan für den sympathischen Jungen durchgeführt. Der Befund: alles
ist normal! Wir sehen es dem Teenager an, wie happy er über das Resultat
ist und während des summer camps freuen wir uns, ihn so glücklich zu
sehen.
Lebens-Versicherung
Nach dem Tod von einem Vater in einer Batulong-Familie im letzten
November hat sich eine grosse Gruppe von Eltern zusammengetan und einen
Todesfall-Fond angefangen: jeden Monat wirft jede Familie der
“Versicherungsteilnehmer” 5 Pesos in eine Holzkasse und bei einem
Todesfall werden jeweils 1500 Pesos an die Witwe/den Witwer ausbezahlt.
Leider muss die Kasse nun schon wieder aufgebrochen werden, weil der
Vater eines Batulong-Kindes im Alter von 56 an einem Herzinfarkt
gestorben ist.
Die Holzbox voller 5-Peso-Stücke wird geleert
Das Gartenprojekt, das so erfolgsversprechend angefangen hat, ist leider nach einigen Monaten gescheitert. Aber wir geben nicht auf
. Grund für das Scheitern könnte sein, dass zu viele Eltern ein Beet
geteilt haben – so wurde die Arbeit auch auf 7 verteilt, und wenn 7
jäten oder giessen sollen, dann ist es vorauszusehen, dass es am Schluss
keiner macht… Wir versuchen es mit einer Neuverteilung an weniger
Leute, dafür an solche, die wirklich motiviert sind.
Enttäuschung
Die erste Batulong-College-Studentin hat am Ende ihrer Ausbildung leider einen sauren Nachgeschmack hinterlassen. Nachdem wir sie sogar noch in den Stiftungsrat der philippinischen Batulong Foundation gewählt haben, finden wir heraus, dass sie Geld, das für Bücher, die Anmeldung anderer Studenten oder ein Projekt gedacht war, für ihre eigenen Zwecke verwendet hat. Zuerst versucht sie sich mit diversen Lügen aus der Sache rauszureden, dann gibt sie zu das Geld genommen zu haben und verspricht, es mit ihrem Wochenlohn, den sie bei der Mini-Lehre erhält, zurückzuzahlen. Wir wollen ihr helfen und bieten ihr an, dass sie auch in ganz kleinen Raten zurückzahlen kann – Hauptsache, sie zeigt, dass sie Willens ist, die Sache wieder gut zu machen. Leider lässt sie den abgemachten Termin verstreichen und antwortet nicht auf Thata’s SMS. Es ist ein harter Schlag für uns.
Zeltstadt
Als Folge des Sturms Sendong im Dezember wurden rund um die Stadt 4 Zeltsiedlungen errichtet, wo Opfer, denen das Haus weggeschwemmt wurde, eine Unterkunft und Versorgung bekommen. Die grösste Zeltstadt mit 2047 Bewohnern steht nur ein paar hundert Meter vom Batulong Center entfernt. Diverse Hilfsorganisationen wie z.B UNICEF haben dort Soforthilfe geleistet und sind jetzt noch daran, permanente Behausungen für die Leute zu bauen. Wir beneiden die Organisatoren dort allerdings nicht, denn wie kann man bei so vielen Hilfesuchenden die Übersicht behalten und gleichzeitig den Sponsoren gerecht werden? So geschieht es, dass auch Batulong-Eltern bei der Abgabe von Ess- und Überlebenspaketen anstehen und Kinder mit dem Batulong T-shirt im Fernsehen gesehen wurden, wie sie in der Verteilschlange stehen. Der Filipino neigt leider dazu zu denken, dass wenn der andere dumm genug ist, sich bescheissen zu lassen, dann könne er ja nichts dafür – und so prahlt er sogar noch mit seiner “cleverness”. Mit den zusammen-”organisierten” Paketen beginnt dann ein reger Handel. Es ist aber auch für uns etwas verständlich, denn eigentlich geht es den Leuten in der Zeltstadt besser als den Bewohnern des Relocation Sites: Sie besitzen ein Zelt im Wert von knapp 1’000 Fr und werden nun, nach 4 Monaten, in ein fertig für sie errichtetes Haus umgesiedelt. Bis jetzt mussten sie nicht mehr arbeiten, denn das Essen kommt jeweils, nachdem sie sich in eine Liste eingetragen haben. Eine Mutter, die bei Batulong um Unterstützung angefragt hat, meint, dass sie nicht arbeiten könne, sonst würde sie ja den Einschreibezeitpunkt verpassen und das Essen nicht gratis bekommen. Viele der Umgesiedelten waren sehr arm und lebten am Flussrand, aber für einige war der Sendongsturm auch ein Segen: vorher waren sie Saisonarbeiter, jetzt werden sie Hausbesitzer, während sie immer noch ein Haus oder die Familie in einem anderen Ort in Mindanao haben. Für die Stiftung Batulong bedeutet dies, dass es noch zu früh ist, Kinder von Sendong-Opfern zu unterstützen, denn viele gehen ja auch noch nicht in Calaanan zur Schule, wo mit Regierungsgeldern einmal etwas richtig Gutes gemacht wird: neue Schulzimmer gebaut, nachdem die Schülerzahl auf bis zu 80 pro Schulzimmer gestiegen ist.
Summer camp
Für die 3. und 4. High School Schüler findet in den langen Sommerferien (April bis Juni) ein von Batulong organisiertes Sommercamp statt. Lynnette, die Sozialarbeiterin, organisiert diesmal Kontakte mit Kindern, denen es z.T. gleich schlecht oder schlechter geht: in der Zeltstadt, auf der Abfallhalde, in einem Heim für Strassenkinder.
Wir sind begeistert von “unseren” Teenagern und dem Engagement der College-Studenten, die den Status der Leiter haben. Für uns ist es schön, einmal nicht 150 – 200 Kinder aufs Mal zu sehen, sondern 30 – 40 etwas besser kennenzulernen.
Ein Sommerlager mit Spiel und Spass, Aball sammeln in Calaanan, Schlussabend und kurze Nächte (man beachte die dünnen Matten, auf denen die Filipinos schlafen) ….