25 Freitag Nov 2011
Die ersten Tage verbringen wir in Romblon am Cabanbanan Beach und geniessen die Ruhe, das Ausspannen und Tauchen. Zuerst ist das Meer noch unruhig, aber dann haben wir den Rest der Woche super Tauchbedingungen mit spiegelglattem Meer und guter Sicht. Hier ein paar Eindrücke – der Hafen von Romblon, der “Hauptstadt” der Provinz Romblon, und Bilder von unter Wasser:
Als erster Höhepunkt besuchen wir in Calaanan das fast fertig gestellte Batulong center. Es ist so, wie wir es uns gewünscht haben und wir freuen uns sehr, dass wir nun unser eigenes Gebäude haben mit Büro und genug Platz zum kochen und essen. Die Hauswartsfamilie ist auch schon eingezogen und Rachello, der Hauswart, macht seine Sache bis jetzt gut.
Neue Batulong-Kinder. Wir haben noch etwas Kapazität
und entscheiden uns, weitere ca 30 Kinder ins Batulong Projekt
aufzunehmen. Immer wieder realisieren wir, dass einige Schüler das
Projekt nach ein paar Jahren wieder verlassen – sei es, weil sie nicht
regelmässig zur Schule gehen wollen oder weil die Eltern an einen
anderen Ort ziehen. Ein Umsiedlungsort ist eben ein Ort, wo Leute
manchmal auch nur übergangsweise wohnen und später wieder umziehen. So
gibt es für uns immer wieder neue Familien, die um Unterstützung bitten.
Das Relocation Site in Calaanan ist in 4 Phasen aufgeteilt und man
schätzt 3000- 5000 Einwohner hier.
Der Hauptgrund, warum Leute Batulong um Unterstützung bitten, ist, weil
die Ehe der Eltern auseinander gegangen ist. Einer der Partner (und es
sind sowohl Männer wie Frauen) geht z.B unter dem Vorwand, irgendwo in
einem entfernten Ort oder auf einer anderen Insel zu arbeiten und dann
Geld zu schicken – und lässt dann nichts mehr von sich hören. Der
übrigbleibende Ehepartner ist entweder alleinerziehend und wird nur mit
Unterstützung seiner Verwandten überleben – oder er lässt die Kinder bei
den Verwandten und geht arbeiten – und leider wird auch dieser/diese
dann oftmals nie mehr gesehen und die Kinder bleiben z.B bei den
Grosseltern.
Batulong muss also im Prinzip die Folgen davon tragen, dass die
katholische Kirche keine Scheidung erlaubt und deshalb auch keine
gerichtliche Verpflichtung zur Unterstützung von Kindern durchgesetzt
werden kann.
Auf der Suche nach jemandem, der vor ein paar Monaten um Unterstützung gebeten hat – leider sind sie schon wieder umgezogen.
Der Schirm wird nicht nur gegen Regen sondern auch gegen Sonnenschein verwendet.
Hier wohnt eine Familie mit 4 Kindern und die Mutter ist mit dem fünften schwanger. Sie will es zur Adoption frei geben, weil sie keine finanziellen Möglichkeiten haben das Kind aufzuziehen. Da ab dem 5. Kind keine Hebamme mehr helfen darf bei einer Hausgeburt wird die Frau das erste Mal in einem Krankenhaus gebären und hoffentlich auch nach einer Unterbindung (die gratis ist) fragen.
Jiennecel, das taube Mädchen, wurde zum dritten Mal
operiert und wir hoffen, dass nun endlich ihr Bein heilt und es keine
Komplikationen mehr gibt.
Kleine Rückschau: im Jahr 2008 wird Jiennecel angefahren und ihr
Oberschenkelknochen gebrochen. Im Krankenhaus wird der Knochen zwar
zusammengeführt, aber nicht verbunden – er soll automatisch
zusammenwachsen. Vermutlich durch einen Sturz verschiebt sich der
Knochen und wächst völlig falsch zusammen, was ein Röntgenbild 2009
zeigt. Wir organisieren eine weitere Operation mit einem Metallstift.
Warum sie Monate später immer noch nicht gehen kann, können wir erst
verstehen, als wir ein weiteres Röntgenbild sehen: der Metallstift ist
gebrochen und es scheint, dass die Knochenteile gar nie richtig
zusammengewachsen sind. Erst jetzt erfahren wir, dass Jiennecel
vermutlich letztes Jahr einmal gestürzt ist und der Stift dann gebrochen
ist.
Das mittlerweile 12-jährige Mädchen tut uns sehr leid: sie hat die
letzten drei Jahre immer wieder Probleme gehabt mit ihrem Bein und
vermutlich wird sie einige Zeit lang auch Schmerzen gehabt haben. Obwohl
sie die Schule besucht, ist ihre Fähigkeit sich auszudrücken aber recht
eingeschränkt. Sie könne immer noch keine ganzen Sätze schreiben, sagt
die Lehrerin, und wir hoffen, dass sie nach ihrer Genesung mehr
Fortschritte macht, denn schreiben wird vermutlich ihre
Kommunikationsmöglichkeit mit Menschen sein, die keine Zeichensprache
verstehen.
Vor einem Monat wurde das Auge von Vince operiert (neue Linse eingesetzt) und er trägt jetzt noch eine durchsichtige Schutzbrille. Er sieht richtig cool aus darin und er strahlt jedes Mal, wenn er uns sieht. Er könne jetzt wieder lesen, was die Lehrerin auf die Tafel schreibt, seine Kopfschmerzen seien vorbei und er könne Farben besser unterscheiden – die Operation war ein voller Erfolg und wir freuen uns sehr darüber.
Bei unseren Hausbesuchen hören wir von einem 5jährigen Mädchen, das zuerst einen künstlichen Darmausgang hatte, nun aber operiert sei. Nur habe es Komplikationen gegeben und ihr Bauch sei nun angeschwollen – für eine Abklärung werde eine Computer Tomographie gebraucht. Die Kosten von 3000 Pesos sind für eine arme Familie ein Monatslohn – unmöglich, das zu bezahlen. Batulong wird das CT übernehmen und wir werden weiterschauen, wie wir dem Mädchen helfen können.
Happy Birthday
Zu Mäge’s 55igstem Geburtstag bestellen wir Glace für alle Kinder, die
am Freitag zum Mittagessen kommen. Eine Frau in Calaanan macht sie
selbst und vor allem das Mangoeis ist sehr lecker. Es hat mehr als genug
und am Nachmittag verteilen wir allen, die am Haus vorbeigehen und
möchten ein Glacé.
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Nachhilfestunden
“Unsere” Architekturstudentin ist in Englisch und den Architekturfächern
sehr gut – aber in College Algebra und Trigonometrie konnte sie die
Mindestnote nicht erreichen. Im College sagt uns ein Lehrer, dass mehr
als 90% das erste Mal ungenügende Noten habe (ob es mit der Lernfreude
und Konzentration der Studenten oder mit der unzureichenden Vorbereitung
in der High school zu tun hat, wusste auch er nicht) und weil einige
andere Batulong-Studenten an diesem College mit Algebra und Trigo Mühe
haben, organisieren wir zwei Nachhilfelehrer: Gilbert und Ireneo von
unseren 2.Jahr Studenten, die in Mathe immer sehr gut sind.
Für sie bedeutet es eine Möglichkeit für eine Nebeneinkunft und die
jüngeren Studenten haben weniger Hemmungen ihre Kollegen bei
Matheproblemen zu fragen.
Wir sind begeistert von der intensiven Lernatmosphäre in den zwei
Stunden am Samstagmorgen und sind zuversichtlich, dass die 6 Studenten
sich im nächsten Semester deutlich verbessern werden.
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Lehrerrückmeldungen
Um über die Leistungen der Batulongkinder Auskunft zu bekommen, besuchen
wir während des Unterrichts die verschiedenen Klassen und wenn die
Lehrerin oder der Lehrer gerade nicht am Unterrichten sind, führen wir
ein kurzes Gespräch über die von Batulong unterstützten Schulkinder. So
erfahren wir von ein paar wenigen, die häufig die Schule schwänzen –
sie werden verwarnt und kriegen jeweils weitere Chancen – wenn wir aber
merken, dass sie nur die Hälfte der Zeit in der Schule sind, verwenden
wir das Geld lieber für Schüler, die auch wirklich die Schule besuchen
wollen. So haben wir auch drei Highschool-Schüler in der 4. Klasse ins
Büro “zitiert” und ihnen eindringlich gesagt, dass sie sich nochmals
zusammenreissen sollen für die letzten 4 Monate Schule! Wir hoffen sehr,
dass sie unsere Warnung ernst nehmen.
Ein paar Erstklässler können noch nicht lesen und Lynnette gibt ihnen
Nachhilfe, damit sie im Juni auch in die zweite Klasse dürfen.
Imie Jay und Cindy lernen lesen. Lynnette schafft es, dass die beiden viel profitieren in dieser Stunde
Todesfall
Leider erfahren wir bei unsrem Rundgang in der Schule, dass der Vater von 4 Batulongkindern im Sterben liegt. Lynnette und Franca gehen am Nachmittag dort vorbei und bieten der Ehefrau an, bei Problemen (finanzieller Natur) auf uns zuzukommen. Was der 43jährige Familienvater hat, weiss man nicht genau – irgend etwas mit der Wirbelsäule. Die schon arme Familie, die auf das Einkommen des Vaters angewiesen war, wird nun noch mehr finanzielle Probleme haben. Der zweitälteste Sohn, Ireneo, der am Samstag Nachhilfeunterricht erteilt, ist ja im College und wird nicht gleich Geld verdienen können. Sein älterer Bruder ist der einzige, der ein festes Einkommen hat – dies muss nun für die ganze Familie reichen ….
Zwei Tage nach diesem Eintrag erfahren wir vom Tod von Ireneo’s Vater. Tditionsgemäss wird der Verstorbene einbalsamiert, weil es bis zur Beerdigung Tage oder sogar Wochen dauern kann – je nachdem, wo die Verwandten wohnen. Vor dem Haus der Familie gibt ein Pavillon Schatten für Besucher, die sich vom im Haus aufgebahrten Verstorbenen verabschieden wollen oder Teil der Totenwache sind. Man bringt normalerweise etwas zu essen mit – wir z.B Kaffee und Brot für die Totenwache. Wir möchten der Witwe helfen, damit sie ihren kleinen Laden weiterführen kann und Thata wird mit ihr reden und herausfinden versuchen, ob wir als Stiftung einen Mikrokredit geben können. Dies muss leider eher versteckt geschehen, weil sonst eine ganze Reihe anderer Witwen und Alleinerziehender kommen und die selbe Hilfe möchten. Wir kennen diese Familie seit dem Beginn von Batulong und schätzen die Kinder und die Mitarbeit der Mutter sehr und hoffen, dass wir ihnen helfen können.
Gartenprojekt
47 Eltern haben sich für das Gartenprojekt eingeschrieben. Sie werden in Siebner-Gruppen jeweils ein Beet bepflanzen – mit Gemüse oder Kräutern (Spezialgruppe)- und den Ertrag Batulong zum Marktpreis verkaufen oder die Gemüse für den eigenen Bedarf verwenden können. Da der Boden noch sehr trocken und nährstoffarm ist, beginnen wir gleich mit einem Kompost-Projekt. Thata’s Bruder Vic erklärt uns verschiedene Techniken, innert kürzester Zeit Dünger für den Garten herzustellen, z.B: man gebe die Fischresten vom Kochen in einen Container und füge gleich viel Rohrohrzucker hinzu, warte eine Woche und fertig ist der Exrakt, der zusammen mit Wasser auf die Beete gespritzt wird.
Auf dem schmalen Landstreifen rechts neben dem Batulong-Center planen wir ebenfalls eine Vermi-Wurm-Kultur: Kompost verarbeitung durch Vermi-Würmer – die Würmer sollen dann auch wieder gut zu verkaufen sein und dies ergäbe ebenfalls eine Nebeneinkunft für unsere Eltern. Wir sind noch ganz am Anfang unserer Projekte und sind gespannt, was im nächsten halben Jahr daraus wird. Auf jeden Fall sind wir froh, dass auf dem Batulong-Land nun das erste Lifelihood-project (Lebensunterhalt-Projekt) von Batulong gestartet hat.
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Zwischenmenschliche Probleme
Die Batulong-Mitarbeiter fanden im Frühling für eine unserer
College-Studentinnen einen Ort zum Wohnen, weil ihre Tante sie nicht
mehr weiter bei sich zu Hause haben wollte. Bei der Primarschullehrerin
muss sie nun im Haushalt mithelfen und kann dafür essen und wohnen dort.
Nun gibt es Probleme zwischen den beiden. Das Hauptproblem ist
allerdings, dass – typisch für die Philippinen – der Konflikt nie
angesprochen oder thematisiert wurde. Die Lehrerin findet, dass das
Mädchen zu wenig mitarbeitet und sie will sie nicht immer daran erinnern
– sie soll selbstständig die Arbeit sehen. Weil sie sich über die
Studentin geärgert hat, spricht sie nun nicht mehr mit ihr – seit mehr
als einem Monat.
Zuerst reden Thata und Lynnette mit dem Mädchen und sagen, sie soll sich
entschuldigen und mehr mithelfen. Es ist uns klar, dass es für die
19jährige nicht so einfach ist das Gespräch zu finden mit jemandem, der
nicht mit einem spricht.
Dass die Lehrerin auf die Batulong-Leitung wütend ist, hören wir auch
nur über eine Drittperson. So gehen Lynnette und ich in die Schule, um
das Problem direkt anzusprechen. Die Lehrerin ereifert sich sehr, lässt
sich aber etwas von uns beruhigen. Wir machen ab, dass wir gegen Abend
bei ihr vorbeikommen, um zusammen mit der Studentin ein Gespräch zu
führen.
Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man darüber lachen. Da haben zwei
Personen ein zwischenmenschliches Problem, aber statt miteinander zu
reden und zu sagen, was sie stört, schweigen sie oder benutzen
Drittpersonen, die dann das gehörte weitertragen. Lynnette erklärt uns,
dass diese Art des Konflikt – Ausweichens hier “amore proprio” genannt
werde – man will niemandem weh tun, indem man ihm direkt sagt, was man
denkt. Dass man ihm – wie wir finden – viel mehr weh tut mit dem
unterdrückten Groll und dem bei anderen über ihn schimpfen, scheinen sie
nicht zu realisieren. Auch am Abend beim Mediationsgespräch redet die
Lehrerin nur in der dritten Person über die Studentin und die beiden
sehen sich nie an. Vermutlich ist es das erste Mal nach sehr langer
Zeit, dass sie überhaupt erfahren, was die andere Person stört. Sich zu
entschuldigen ist ja eigentlich etwas, was die Filipinos gar nicht
können (bedeutet bei ihnen Gesichtsverlust) – umso positiver ist es,
dass die junge Frau das kann und verspricht, sich zu bessern.
Die Lehrerin sagt ihrerseits, dass sie nun wieder mit der jungen Frau
sprechen wird. Wir hoffen, dass die beiden sich miteinander arrangieren
können und vielleicht haben sie sogar etwas gelernt in der
zwischenmenschlichen Kommunikation.
Nun wird auch die Weihnachtsdekoration vorbereitet: hier wird die Rinde eines Baumes abgeschält – vermutlich, um den Ästen einen weissen Touch zu geben.
Das fertige, dekorierte Produkt kann sich allerdings sehen lassen
und verschönert nun unser sonst eher kahles Batulong-Center.
Wir verlassen das Batulong Hilfswerk für einige Monate und kehren dann im März wieder zurück. Vieles wurde erst angedacht und geplant und wir freuen uns, die Resultate und Auswirkungen dann im März zu erleben.
Unser Reiseblog geht weiter.. das nächste Mal aus Australien.
Bis dann.. liebe Grüsse von Mäge und Franca