Es tut nicht nur uns gut, zwischen den
Aufenthalten im Stiftungsgebiet etwas Ferienzeit einzuschalten, es ist
auch immer interessant zu sehen, ob Aufgaben
von unseren Mitarbeiterinnen erledigt werden können, alles verstanden
wird oder Probleme aufgetreten sind.
Das Ziel, die Dokumentation über die von
uns unterstützten Kinder auf Vordermann zu bringen, konnte bis jetzt zu
einem Grossteil erreicht werden,
aber Thata und Lynnette haben noch ein paar Aufgaben, die sie bis Ende
Juni erledigen werden.
Mäge und ich versuchen, unsere
Erwartungen (schweizerische Genauigkeit) mit der Mentalität hier
(“Hauptsache ich weiss, wie die Kinder aussehen”)
zu verbinden. Seit wir eine zweite Mitarbeiterin haben, wird etwas mehr
Organisation und Durchblick aber sowieso immer nötiger.
Weil wir nun auch eine philippinische
Stiftung sind, ist zusätzlich eine Buchhaltung hier im Land gefragt -
und dies wird immer noch wie anno dazumal
bei uns handschriftlich in ein grosses Buch eingetragen. Unser Gespräch
mit dem Buchhalter, der Thata gezeigt hat, wie es geht, hat aber viele
Vereinfachungen gebracht und wir hoffen, dass diese Arbeit somit in
etwas
kürzerer Zeit erledigt werden kann.
Uns scheint, dass ganz allgemein die
Philippinen eine ähnliche Zeit erleben (und zum Teil auch auf dem Stand
sind) wie wir in den 70er-Jahren. Ich erinnere
mich, dass z.B die Fertigprodukte “in” waren, aber unsere Gesellschaft
nicht wusste, wo mit dem vielen Abfall hin.
Andererseits stecken die Philippinen
stark zwischen den Kulturen ihrer beiden Kolonialmächte: Spanien 1565 -
1898 bis und die USA von 1901 bis 1946. Dazu kommt noch die asiatische
Mentalität.
Ein Beispiel: Grundsätzlich geht der
Filipino jeglicher Konfrontation aus dem Weg und versucht immer sein
Gesicht zu wahren (asiatische Mentalität),
das heisst, er gibt weder zu, wenn er etwas falsch gemacht hat, noch
konfrontiert er jemanden, wenn dieser etwas falsch gemacht hat. (was ihn
allerdings nicht davon abhält, hinter dessen Rücken über ihn zu
schimpfen).
Im Gegensatz dazu schauen die Filipinos sehr gerne die amerikanischen TV
(Mittags-)shows, die genau wie in den US und auch bei uns Konflikte
austragen (Familiendramas). Ebenso scheint es beim Friedensrichter
zuzugehen (laut
unserem Freund in Romblon), wo aufgestauter Frust laut und lang
herausgelassen wird. Den Mittelweg, jemandem nett und ruhig zu sagen,
wenn etwas nicht in Ordnung ist oder man Mühe hat mit etwas, gibt es
weniger (z.B erzählte
uns gerade heute eine Frau von ihrer Angestellten, die ihr regelmässig
die Wäsche beim Bügeln verbrannt hat. Sie habe ja nicht schimpfen
können, also sagte sie ihr,sie solle wieder gehen....)
Das spanische Blut in den Adern der
Filipinos ist wohl zusätzlich der Grund, dass es - wenn mal ein Konflikt
ausgetragen wird - laut und emotional zu
und her geht. Aber um ganz ehrlich zu sein, nach vielen vielen Besuchen
auf den Philippinen und einer langen Liste von Gegebenheiten ist uns die
philippinische Mentalität immer noch ein Rätsel.
Warum wir uns über so Dinge Gedanken
machen? Weil wir täglich auf irgend eine Weise mit dieser Mentalität und
diesen zum Teil anderen kulturellen
Wertvorstellungen konfrontiert werden.
Schon letzten Oktober berichteten wir vom
Hausmeister, den wir für das Batulong-Gebäude verpflichten möchten. Er
bekommt keinen grossen Lohn,
muss aber auch nicht viel arbeiten- vor allem dort sein und dafür
besorgt sein, dass niemand Unbefugtes hinein kommt oder nachts
einbricht. Rachello scheint uns ideal zu sein, weil er nach einem Unfall
seine Arbeit (elektronische
Geräte reparieren) nicht mehr gut ausüben kann und deshalb zu Hause ist
und auf die beiden Kinder aufpasst. Seine Frau ist oft unterwegs und
verdient das Geld. Im Februar hören wir dann, dass die Batulong-Eltern
nicht einverstanden seien mit der Wahl - sein Charakter sei zweifelhaft.
Auch hier ist vermutlich viel geschwatzt worden untereinander und die
Stimmung der Familie gegenüber ist nicht gut. Wir treffen uns zuerst mit
den
Eltern, wo ein Argument gegen den Hauswart und auch gegen seine
Schwiegermutter vorgebracht werden. Später spechen wir mit dem
zukünftigen Hauswart-Ehepaar und legen ihnen den Sachverhalt dar. Die
Situation ist nicht
einfach, aber schlussendlich haben wir nichts Konkretes, was wir
Rachello und seiner Frau vorwerfen könnten und unser Eindruck von ihnen
ist eigentlich sehr gut. Dass die Schwiegermutter sehr neugierig ist und
uns auch
gerade vor ein paar Wochen angelogen hat, wissen wir - aber wir stellen
ja nicht sie ein.
Wir hoffen, dass sich die Eltern wieder
beruhigen und zukünfitges gutes Zusammenarbeiten zwischen Eltern und dem
Hauswart-Ehepaar möglich wird.
Batulong Center
Mit Freude können wir verkünden, dass die
Bauarbeiten für unser Gebäude hier begonnen haben und recht gut
anlaufen. Das Wetter ist praktisch
immer schön und trocken und so gibt es auch keine Unterbrüche.
Der momentane Stand der Bauarbeiten: die Aussenwände werden errichtet
Verputzen des Septic-Tanks und Mischen des Betons - alles von Hand
Reading camp
Für die Kindergärtner (die in die erste
Klasse übertreten werden) und für schwache Leser wird jeweils in den
Sommerferien (jetzt) ein
Lese-Camp durchgeführt. Einige unserer Batulongkinder sind auch dabei
und bei einem Mädchen in der zweiten Klasse wird so sogar ein
Wiederholen verhindert, denn die Voraussetzung für den Übertritt ist
lesen
zu können. Wir finden das eine super Idee der Schule und spenden deshalb
gerne das Mittagessen für die ganze Camp-Klasse.


Reis-Verteilung
Einige Male pro Jahr verteilen wir den
mitarbeitenden Eltern, die etweder kochen, auf dem Markt für mehr als
150 Kinder einkaufen oder Holz für
das Feuer zum Kochen bringen 5 kg Reis. Dies ist sowohl ein Dankeschön
von unserer Seite für ihre Hilfe wie auch ein Ausgleich, dass auch die
Geschwister der Batulong-Kinder berücksichtigt werden. Es ist schon
eine rechte Organiation nötig, wenn rund 200 Eltern kommen, um den Reis
abzuholen. Sie bringen ihren eigenen Plastiksack mit und Mitarbeiter
wägen dann jeweils die 5 kg von den insgesamt 15 Säcken mit 750 km
Reis ab!
Lieferung der Reissäcke und Fassstrasse
Abwägen und Warten, bis der Name von Thata aufgerufen wird
Glückliche Reisempfänger Herr Oblimar trägt seinen Reis nach Hause
Leadership and team building camp
Erstmals wird ein Leiterschafts- und
Teambildungs-Camp für die dritte und vierte Stufe High school von
Batulong durchgeführt. Das Ziel ist, die
Teenager für Leitungsaufgaben innerhalb der Klasse oder der Arbeit in
einer Gruppe vorzubereiten. Lynnette, die Sozialarbeiterin, organisiert
das Camp, unterstützt von unseren College-Studenten. Während drei
Tagen werden die Fähigkeiten der Teenager als Leiter und gut
zusammenarbeitendes Team durch Spiele, Gruppenaufgaben und etwas Theorie
verbessert. Es ist schön für uns, dass wir trotz Sommerferien nun doch
noch
einige von Batulong unterstützte Kinder treffen und neu kennen lernen.
Die
Organisatorin
und Teilnehmer
Girls aus
der 3. und 4. Oberstufe
Collegestudentinnen, die
mithelfen

Hüttenbauen
Theorie
Jeweils ein Team übernimmt das Kochen
Für uns geht die Zeit auf den Philippinen
zu Ende und auch für einige Zeit die Zeit des Reisens. Wir sassen in
vielen Jeepneys, Autos und Motorelas,
in Flugzeugen und Schiffen und wir freuen uns nun auf die Schweiz, unser
Zuhause, unsere Freunde, Familie und Bekannten, unsere Katze,
Schildkröten und Hasen, den Garten, das Frühlingsgrün, Schweizerdeutsch,
feines Brot
und Käse, eine Küche und eine Garderobe mit mehr als 2-3 Stück pro
Kleidungsstück:-) Vielen Dank für alle, die jeweils unserern Blog
gelesen haben und wir würden uns natürlich freuen, auch
persönlich weiterzuschwatzen und auszutauschen, was auf eurer Seite
während dieser Zeit passiert ist.
Bis bald wieder...
Franca und Mäge